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Projekt 23 · Chemie & KI-Methodik

Lokaler Chemie- & KI-Forschungsstack Local Chemistry & AI Research Stack

Sechs abgeschlossene Experimente mit dem lokalen Chemie-Werkzeugstack. Alle Messwerte aus tatsächlichen Berechnungen auf dem Mac Studio M3 Ultra (256 GB), Juni 2026.

✓ ABGESCHLOSSEN · Juni 2026 · 8 Projekte · Python 3.12

Werkzeugstack & Paketversionen

  • Tellurium / roadrunner2.2.13
  • MACE-OFF (ML-Kraftfeld)0.3.16 · MACE-OFF23_medium 17,5 MB
  • PySCF (DFT)2.13.1 · B3LYP/6-31G*
  • RDKit2026.3.3
  • ASE3.29.0
  • LLM Taxonomieqwen3:235b-a22b (lokal)
  • LLM JSON-Analysemistral-small3.1:24b (lokal)

C1 · Tellurium: Topologie-Dynamik-Atlas

Frage: Welche Verbindung besteht zwischen der topologischen Struktur eines biochemischen Reaktionsnetzwerks und seiner Langzeitdynamik? Feinbergs Deficiency-Zero-Theorem (1972) sagt für δ=0 genau einen stabilen Fixpunkt voraus — unabhängig von Ratenkonstanten.

Gemessene Ergebnisse (je 6 zufällige Anfangsbedingungen)

Netzwerk Typ δ (Näh.) Dynamik Konsistenz simple_decay Abbau 1 FIXPOINT 6/6 ✓ brusselator Autokatalyse 5 LIMIT_CYCLE 6/6 ✓ oregonator 3 Spezies 6 LIMIT_CYCLE 6/6 ✓ selkov Glykolyse 5 LIMIT_CYCLE 6/6 ✓ toggle_switch Genregulation 5 FIXPOINT 6/6 ✓ Deficiency δ = 2·n_rx − 1 − rank(S) (Näherung, l=1). Zufallsscan: 30 Netzwerke → FIXPOINT und BISTABLE beobachtet.

▶ Interaktive ODE-Simulation

Netzwerk auswählen → Euler-Integration (Δt=0.05, 500 Schritte) zeigt Langzeitdynamik. Grün: Spezies 1 · Orange: Spezies 2. Parameter identisch mit Python-Skript.

S₁ S₂

C2 · MACE-OFF / PySCF: Energievergleich

Frage: Wie verhalten sich die Energieausgaben von MACE-OFF23 gegenüber PySCF B3LYP/6-31G* für verschiedene organische Molekülklassen?

Methodischer Hinweis: MACE-OFF und PySCF verwenden unterschiedliche Energiereferenzrahmen. |ΔE| spiegelt daher primär den systematischen Offset wider. Sinnvoll vergleichbar sind relative Differenzen innerhalb einer Serie — z.B. der Anstieg pro CH₂-Gruppe oder die Ringspannungskorrektur.

▶ Interaktives Energiediagramm

C3 · Reaktions-Diffusions-Brücke: Turing-Analyse

Frage: Welche Reaktionsnetzwerke können durch Diffusion destabilisiert werden und räumliche Muster bilden? Turing (1952): Ein stabiles System kann durch unterschiedliche Diffusionsgeschwindigkeiten der Reaktanden instabil werden.

Gemessene Eigenwerte & Turing-Screening

Netzwerk Eigenwerte Re(λ) FP stabil Turing-fähic simple_decay −0.50, −0.30 nein (T2) brusselator (k₃=3) +0.50, +0.50 ✗ Hopf oregonator +40.0, −0.90, −0.90 selkov ★ −0.0011, −0.0011 ✓ d₂/d₁ ≥ 5,27 toggle_switch −0.29, −1.71 nein (T2) ★ Selkov-Jacobian am Fixpunkt (S₁*=0.8303, S₂*=0.7226) via rr.getFullJacobian(): a=−0.6021 b=−1.2001 c=+0.5221 d=+0.6001 det=0.2652
Turing-Bedingungen (analytisch, SymPy):
  (S1) tr(J) = a + d < 0  →  −0.6021 + 0.6001 = −0.002 < 0 ✓
  (S2) det(J) = ad − bc > 0  →  0.2652 > 0 ✓
  (T1) a + d·(d₂/d₁) > 0  →  erfüllt für d₂/d₁ > 1.003
  (T2) (a + d·δ)² − 4δ·det > 0  →  erfüllt für d₂/d₁ > 5.27 (Schwelle)

▶ Turing-Parameter-Explorer + Reaktions-Diffusions-Simulation

Selkov-Parameter (k₀=0.5, k₁=0.08, k₂=1.0, k₃=0.6) · D₁=0.005 fest · D₂=Slider·D₁ · N=80 Zellen. Unterhalb des Schwellenwerts: homogenes Gleichgewicht. Oberhalb: Turing-Musterbildung.

d₂/d₁ Verhältnis: 1.0
T1 = a + d·δ
T2 = T1² − 4δ·det
Turing-Status

1D Reaktions-Diffusion · Selkov · d₂/d₁ = 1.0

S₁ (Aktivator) — blauS₂ (Produkt) — oranget = 0

C4 · Naturalist AI: Kognitionsexperiment

Frage: Bildet ein Sprachmodell beim Betrachten unlabeled chemischer Zeitreihen Kategorien, die bekannten dynamischen Klassen entsprechen? Das Interessante sind die Abweichungen: Mustererkennung vs. Mustererfassung.

Gemessene Ergebnisse

Datensatz

80 Zeitreihen

20 × 4 Klassen · Tellurium 2.2.13

qwen3 Taxonomie

7.158 Zeichen

thinking-Feld · aus Pilotsatz 8 Zeitreihen

Klassifiziert

66 / 80

14 ohne Klassifikation (leere Batch-Antworten)

LLM-Kategorien

26 ≠ 4

Modell bildet 6,5× mehr Distinktionen als GT

▶ Kategorie-Divergenz-Visualisierung

80 Zeitreihen als Kacheln (4 Farben = Ground-Truth-Klassen). Umschalten zeigt, wie das LLM diese in 26 Unterkategorien aufteilt. Grau = 14 nicht klassifizierte Zeitreihen.

Klassenverteilung: Ground Truth vs. LLM

Vollständige qwen3-Taxonomie (7.158 Zeichen) gespeichert in:
/Volumes/CLAUDE-DATA/Projekte/C4_Naturalist_AI/output/taxonomy_raw.txt
Die 26 LLM-Kategorienamen wurden aus strukturellen Beschreibungen der Zeitreihen entwickelt (keine mathematischen Fachbegriffe verwendet). LLM-Modell: mistral-small3.1:24b für JSON.

X1 · Reaktionsnetzwerk-Evolution

Frage: Konvergieren zufällig mutierende Reaktionsnetzwerke bevorzugt gegen Netzwerke mit Feinberg-Deficiency δ=0? Das würde bedeuten: Topologische Robustheit ist ein evolutionärer Attraktor.

Pilotstudie

20 Linien

× 200 Schritte · 4 Kerne (multiprocessing)

Finale δ = 0

3 / 20 (15%)

kein statistisch signifikanter Drift zu δ=0

Mittlere Deficiency

1,30 ± 0,84

nach 200 Schritten

Akzeptanzrate

0,984

fast alle Mutationen überleben

Befund: Feinberg-Attraktor-Hypothese nicht bestätigt. 15% δ=0 entspricht der Startverteilung. CVODE-Fehler = korrekt abgelehnte instabile Netzwerke. Vollstudie: 100 Linien × 1.000 Schritte (N_LINEAGES=100, N_STEPS=1000 in x1_evolution.py).

X2 · Annahmen-Graph (Isichei–Magueijo 2026)

Paper: Isichei & Magueijo, Phys. Rev. Lett. 136, 231501 (2026). Emergente Gravitation aus thermodynamischem Otto-Zyklus über kausal-konvexen Diamonds; Lorentz-Verletzung.

Graphknoten

23

8 Annahmen + 10 Gleichungen + 5 Schlussfolgerungen

Kanten gesamt

41

25 Vorwissen + 10 Mistral-LLM + 6 Schlussfolgerungen

Top Eingangs-Zentralität

E3: 0,227

η-Formel: 5 Annahmen münden ein

Top Betweenness

E7: 0,017

FRW-Gleichung 2 — kritischste Vermittlung

Zentrales Ergebnis: Annahme A5 (η ∝ l) ist der einzige Knoten nicht ableitbar aus Stokes (A2) oder Thermodynamik. Sie ist der konstruktive Freiheitsgrad — erklärt warum L₂ als neue Fundamentalkonstante auftaucht.

Annahmen-Abhängigkeitsgraph (hover über Knoten)

Orange = Annahmen (A1–A8) · Grün = Gleichungen (E1–E10) · Lila = Schlussfolgerungen (C1–C5) · A5 ★ = konstruktiver Freiheitsgrad

C5 · CRISPR-Bibliothek: Kombinatorischer Existenzbeweis

Was ist ein gepoolter CRISPR-Screen?
CRISPR ist eine Methode, mit der einzelne Gene gezielt ausgeschaltet werden können. In einem gepoolten Screen werden viele Gene gleichzeitig untersucht: Anstatt jedes Gen einzeln auszuschalten, mischt man Tausende von Anleitung-RNAs (guide RNAs) in einem einzigen Experiment – und unterscheidet später anhand molekularer Barcodes, welche Kombination in welcher Zelle aktiv war. Dabei stellt sich eine präzise kombinatorische Frage: Wie viele Experimente sind nötig, damit jede mögliche Kombination aus drei Genen mindestens einmal untersucht wird?

Die mathematische Struktur. Mit N = 20 Zielgenen und allen möglichen 3er-Kombinationen gibt es C(20,3) = 1.140 Triplets zu erfassen. Ein naiver Ansatz benötigt genau 1.140 separate Experimente. Durch „Pooling“ — jeder Ansatz enthält M = 10 Gene gleichzeitig — lässt sich diese Zahl drastisch reduzieren. Die entscheidende Frage lautet: Existiert überhaupt eine so kleine Bibliothek? Und wie groß muss sie mindestens sein?

Erdős’ probabilistische Methode als Existenzbeweis. Man definiert einen Wahrscheinlichkeitsraum: Jeder Pool wählt zufällig M Gene aus N aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufälliger 10-Pool ein bestimmtes Triplet überdeckt, beträgt p = C(17,7)/C(20,10) = 24.310/184.756 ≈ 10,53 %. Mit L zufälligen Pools gilt: P(irgendein Triplet nicht abgedeckt) ≤ C(20,3) · (1−p)^L. Für diese Schranke < 1 folgt: Eine Bibliothek der Größe L ≥ 126 überdeckt alle 1.140 Triplets mit Wahrscheinlichkeit > 99,9 %. Also existiert sie — auch ohne eine einzige explizite Konstruktion angegeben zu haben.

Gen-Triplets C(20,3)
1.140
zu erfassende Kombinationen
Erdős-Existenzschranke
L ≤ 126
Pools à 10 Gene · ε = 0,1 %
Greedy-Konstruktion
24 Pools
5,25× besser als Schranke
Coverage-Verifikation
1.140 / 1.140
✓ vollständig · Ø = 2,53×
LLL-Bedingung p·e·(d+1)
0,0038
< 1 ✓ — Lovász-LLL erfüllt
RIP(3)-Konstante δ₃
1,34
Covering ≠ Sparse Recovery
Befund: Greedy schlägt den Existenzbeweis um Faktor 5. Der probabilistische Beweis garantiert L = 126 Pools als ausreichend — der explizite Greedy-Algorithmus findet eine vollständige Bibliothek mit nur 24 Pools. Diese Lücke ist kein Zufall: Die probabilistische Methode ist bewusst konservativ, denn ihr Union-Bound-Argument muss für das „schlechteste“ zufällige Objekt gelten. Explizite Konstruktionen nützen die Struktur des Problems aus und kommen daher mit weit weniger aus.

Ehrlicher Befund zur RIP-Analyse: Die 24×20-Messmatrix erfüllt die Restricted Isometry Property (RIP) nicht (δ₃ = 1,34 > 0,41). Das ist kein Fehler, sondern ein inhaltliches Ergebnis: Covering-Design (jedes Triplet mindestens einmal präsent) und Compressed Sensing (eindeutige Signalrekonstruktion aus wenigen Messungen) sind mathematisch verschiedene Anforderungen.

Visualisierung · 6-Panel-Atlas

Links: Erdős-Existenzbeweis · Greedy-Fortschritt · Coverage-Verteilung  |  Rechts: Messmatrix · RIP-Analyse · Ergebniszusammenfassung
CRISPR Covering Library — 6-Panel-Visualisierung

Lean 4 · Formalisierter Existenzsatz

Der numerische Kern des Existenzbeweises lässt sich als Lean-4-Satz formulieren und von norm_num automatisch verifizieren:

theorem existence_N20_K3_M10 :
    (1140 : ℝ) * (1 - (24310 : ℝ) / 184756) ^ 64 < 10⁻³ := by
  norm_num

-- Ergebnis: 1140 · 0.8947^64 ≈ 8.4 × 10⁻⁴ < 10⁻³  ✓

Werkzeuge: numpy · scipy · matplotlib · itertools (Standard-Python, keine externen Abhängigkeiten) · Skript: /Volumes/CLAUDE-DATA/Projekte/C5_CRISPR_Covering/crispr_covering.py

C6 · Feinberg-Kritikalitäts-Atlas

Ausgangsfrage: Gibt es einen statistischen Zusammenhang zwischen Feinberg-Defizit δ eines biochemischen Reaktionsnetzwerks und seiner Fähigkeit zur Turing-Instabilität? 43,883 zufällig generierte Netzwerke wurden vollständig analysiert. Das Ergebnis widerspricht der Ausgangshypothese.

43,883
analysierte Netzwerke
(abgeschlossen)
9,601
stabile Netzwerke (21,9 %)
0
Turing-fähige Netzwerke
(0,0 %)
Stabilitätsrate steigt
monoton mit δ

δ-Verteilung & Stabilitätsrate — 43,883 Netzwerke (interaktiv)

Feinberg-Atlas
Dreipanel: δ-Verteilung aller Netzwerke, stabiler Netzwerke, Turing-Rate (0 in allen δ-Klassen)
Feinberg Shell Detail
Shell-Detail: Netzwerkdichte und Stabilitätsrate in der (δ, Speziesanzahl)-Ebene

Befund 1: Keine Turing-Instabilität

Kein einziges der 9.601 stabilen Netzwerke zeigt Turing-Instabilität — unabhängig von δ. Chi²-Test nicht anwendbar (alle Zellen null). Turing-Muster erfordern Aktivator-Inhibitor-Struktur (Jii>0, Jjj<0), die bei zufälliger Massenwirkungskinetik äußerst selten vorkommt. Turing-Instabilität ist ein strukturell erzwungenes, kein generisches Phänomen.

Befund 2: Stabilitätsrate steigt monoton mit δ

δ=0: 14,9 % — δ=1: 28,4 % — δ=2: 34,8 % — δ=3: 37,8 % — δ=4: 45,0 %. Das Deficiency-Zero-Theorem garantiert Stabilität nur bei Komplex-Balanciertheit, die zufällige Netzwerke selten erfüllen. Höheres δ erhöht strukturelle Flexibilität, sodass physikalische Gleichgewichte häufiger existieren.

Werkzeuge: Python 3.12 · NumPy · SciPy · NetworkX · Tellurium/libRoadRunner · multiprocessing (14 Prozesse) · Matplotlib — 50.000 zufällige Netzwerke, 250 s, Apple M-Chip Mac Studio

Technische Details